02.10.2006

Starkenburger Echo vom 02.10.2006

Brilliante und faszinierende Darbietung

Chormusik  –  „Acappella“ Odenwald präsentiert vor kleinem Publikum eine fesselnde Reise durch die Musikgeschichte

VON GABRIEL BÄRENZ

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Glänzende Darbietung:  Eine spannende Reise durch die Musikgeschichte präsentierte am Samstag der Konzertchor „acappella“ Odenwald in der Fürther TV-Halle

FüRTH. „Es hätten ruhig etwas mehr Besucher sein können“ : So ganz zufrieden war Vorsitzender Wolfgang Theis am Ende nicht. Über die Reise durch Länder und Zeiten seines Konzertchors „acappella“ Odenwald freuten sich zwar nicht wenige Zuschauer, der reifen Chorleistung wäre ein Ausverkauft aber durchaus angemessen gewesen.  Doppelt ärgerlich war – das Konzert wurde komplett und mit erheblichem Technik-Aufwand mitgeschnitten, umso schwerer fiel der teils etwas dünne Applaus ins Gewicht.  Auch ist eine Turnhalle nun leider kein Konzertsaal.

Umso bemerkenswerter war, dass der 39-köpfige Konzertchor über mehrere Stunden brillierte und faszinierte; mit Musik aus fünf Jahrhunderten der westlichen Hemisphäre konnten die Musiker zudem mit einem echten Mammut-Repertoire aufwarten.  Von Grieg über Brahms und Strauß bis hin zu Fred Raymond – war das Fürther Publikum da am Ende ein wenig überfordert?  „Da sind Profi-Musiker dabei, da können wir keine Honky-Tonky-Musik machen“ , stellte Vorsitzender Theis klar.  „Schade“ sei es, dass die Zuschauer wegblieben, denn: „Wir haben Werbung gemacht ohne Ende“ .

Europäische Chormusik aus zwei Jahrhunderten

Auch qualitativ gab es trotz Michaelismarkt am Samstagabend eigentlich keinen Grund, das Konzert zu verpassen.  Unterstützt vom Wilhelmsfelder Singkreis, dem zweiten Chor der Chorleiterin Ria Günther, hießen die Odenwälder ihre Gäste mit europäischer Chormusik aus dem 16. und 17. Jahrhundert willkommen.  Bei der folgenden Salonmusik gab es die erste Attraktion des Abends: Susanne Phieler (Violine), Stephanie Phieler-Gaidarow (Viola), Ria Günther (Klavier) und Michael Feiertag (Kontrabass) beeindrucken in Edvard Griegs Suite „Aus Holbergs Zeit“ .

Anschließend ging es volkstümlich weiter; auf Tschechisch intonierte der Chor „Az ja po jedu“ (trag mich, mein Pferdchen), auf Spanisch die „Bolera Sevillanas“ .  Dabei schlug Maria Buhler-Rubios ganz große Stunde: In spanischer Tracht und mit ebensolchem Temperament tanzte die Spanierin in andalusischer Manier.  Mit Begeisterung wurde auch das mexikanische „La cucaracha“ aufgenommen, bevor man sich mit Dimitri Schostakowitschs Gavotte wieder der Salonmusik widmete.  Es folgt Edward Elgars „Salut d’amour“ , im folgenden Vittorio Monti von Czardas glänzte, Kontrabassist Michael Freitag „ich glaube, dem ist nichts mehr hinzuzufügen“ , kommentiert Vorsitzender Wolfgang Theis einen erneuten Glanzpunkt des Abends.

Vor der Pause wurde es nochmal romantisch: Aus der Feder Brahms erklangen der Liebeslieder-Walzer und die Walzer Nummer 1 bis 11.  Nach zwanzig Minuten der Erholung gönnte der Chor dem Publikum mit Salomnusik einen entspannten Einstieg in die zweite Hälfte des Konzerts – zuerst Brahms‘ ungarischer Tanz, dann ging es mit Strauß‘ „Wiener Blut“ und Raymonds „Juliska aus Budapest“ erneut donauabwärts.